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Umdenken?!


Es ist so eine Sache mit dem Umdenken.

Zum einen setzt es das bewusste Wollen eines Umdenkungsprozesses voraus, zum anderen aber auch die Fähigkeit, es umzusetzen. Beides ist für ein erfolgreiches Umdenken erforderlich.

Gerade hier in unserer JVA sind die Schwierigkeiten deutlich zu erkennen, die viele Bedienstete mit dem Umdenken haben. Ich stell mir schwer vor, nachdem ich jahrelang mit Jugendlichen zu tun hatte, sofort mein Verhalten auf den Umgang mit Erwachsenen umzustellen. Aber ich denke, dass nach spätestens drei Monaten auch bis zu dem letzten Bediensteten die Tatsache durchgedrungen sein dürfte, es jetzt mit erwachsenen Straftätern zu tun zu haben. Folgerichtig stellt sich die Frage:" Warum werden wir dann immer noch wie unmündige Jugendliche behandelt?" Bewusst werde ich nicht auf einzelne Fälle und Situationen eingehen, die diese Handlungsweise verdeutlichen, denn die mir zur Verfügung stehende Seitenzahl in der ZZZ ist begrenzt.

Aber ich frage mich, warum ich bei vielen Bediensteten, damit meine ich nicht nur die unteren Ränge, den Eindruck habe, sie sehen in mir ein unmündiges Wesen. Wir alle haben unsere Lebenserfahrungen gesammelt. Viele von den Strafgefangenen sind älter als die Bediensteten. Woran liegt es also, dass wir wie unmündige Jugendliche behandelt werden? Liegt es an uns? Stellen wir vielleicht unser Licht zu oft unter den Scheffel? Lassen wir uns zu viel gefallen?

Das glaube ich nicht. Gut, manchmal fällt es schwer ruhig zu bleiben, wenn ein Bediensteter uns überheblich grinsend einen Antrag ablehnt und sich dabei fühlt als hätte er einen großen Sieg in der Stierkampfarena errungen. Wir alle kennen "Mister Abgelehnt". Hallo, wir sind erwachsene Männer, die meisten haben einen ordentlichen Beruf erlernt, viele haben Lebenserfahrung für zwei Leben und ich glaube nicht, dass wir dümmer sind als die Vielzahl der Bediensteten. Also bitte, Ihr Herren Beamte, behandelt uns wie Erwachsene. Es genügt nicht, jeden Antrag abzulehnen. Eure Arbeit erschöpft sich nicht mit dem Zuschließen der Zellentüren. Oft habe ich den Eindruck, dass wir Gefangene das Strafvollzugsgesetz besser kennen als die Bediensteten. Wenn das zutreffend ist, dann bin ich erschüttert, denn stellt dieses Gesetz doch einen Teil der Arbeitsgrundlage der Bediensteten dar.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ein Strafgefangener nicht nur eine Akte ist. Er stellt ein lebendes Wesen mit Wünschen, Träumen, Sehnsüchten, Ängsten und Gefühlen dar - genannt Mensch. Was die Jugend hier in der JVA Zeithain für Mist gebaut hat, ist für uns nicht mehr relevant. Mit dem Einzug der Erwachsenen in die JVA begann eine neue Zeitrechnung. Unsere Probleme sind andere als die der Jugend. Auch unsere Bedürfnisse sind andere.

Viel Erfolg beim Umdenken!

M R



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