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30 Jahre Zeithain


In Riesa, Strehlaer Straße gab es bis 1977 ein Strafvollzugskommando, welches dann den baulichen,sanitären, unterkunftsmäßigen Bedingungen für die Gefangenen und den erforderlichen Arbeitsbedingungen des dort tätigen Personals nicht mehr entsprach. Daraufhin wurde durch das Stahl- und Walzwerk Riesa am jetzigen Standort eine neue Strafvollzugseinrichtung (StVE) erbaut. Die Anstalt bestand damals aus dem A/ B Haus, dem Anbau mit den Bereichen Medizinischer Dienst und Küche mit Speisesaal und der Werkhalle 1 sowie dem Verwaltungsgebäude mit Besucherbereich, Dienstzimmern und den technischen Anbauten im Eingangsbereich.
Die Belegungskapazität betrug im A/ B Haus 512 Plätze. Die Zuständigkeit war für erwachsene männliche Strafgefangene, die nicht vorbestraft oder Vorstrafen wegen leichter Vergehen hatten, ausgewiesen. Die Hafträume in ihrer damaligen Gestaltung waren für die Unterbringung von ca.12 Strafgefangenen vorgesehen. Am 01.09.1989 war die Strafvollzugseinrichtung mit 506 männlichen Gefangenen belegt. Durch eine Amnestie im Herbst 1989 sank die Belegungszahl 1990/ 91 zeitweilig bis auf ca. 15 Gefangene.

JVA Zeithain

JVA Zeithain - Vogelperspektive

Zur Arbeit waren die Gefangenen bis 1989 insbesondere im Mehrschichtsystem im Stabwalzwerk Riesa, im Rohrwerk Zeithain, im Gleisbau bei der Deutschen Reichsbahn sowie im Einschichtsystem im Oberbauwerk Wülknitz (Gleisjochmontage bzw. -demontage) eingesetzt. Es war eine fast 100-prozentige Beschäftigung der Gefangenen gewährleistet. Hierzu muss jedoch auch gesagt werden, dass die Arbeitsbedingungen insbesondere im Stabwalzwerk Riesa sehr viel von den Gefangenen abverlangten, indem auch die dort vorhandene Technik überwiegend nicht dem aktuellen technischen Stand entsprach. Am 03. Oktober 1990 wurde die Strafvollzugseinrichtung Zeithain, wie auch alle anderen sächsischen Strafvollzugseinrichtungen vom sächsischen Staatsministerium der Justiz als Justizvollzugsanstalt (JVA) übernommen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren diese dem Ministerium des Innern (MdI) unterstellt. Es erfolgte dann der Vollzug überwiegend kurzer Freiheitsstrafen an erwachsenen männlichen Strafgefangenen. Im IV.Quartal 1991 trafen die ersten 5 Jugendstrafgefangenen und 5 Jugendarrestanten in der Justizvollzugsanstalt ein. Bis 1993 gehörte das Grundstück der Justizvollzugseinrichtung und die Gebäude noch zum ehemaligen Stahl- und Walzwerkes Riesa, so dass wenig Veränderungen erfolgen konnten. Nach dem Erwerb der Einrichtung durch den Freistaat Sachsen konnten erste Neubaumaßnahmengeplant und umgesetzt werden.

Mit dem Jugendvollzug in der JVA Zeithain als völlig neue Vollzugsform mussten sich auch die Bediensteten entsprechend den neuen Erfordernissen qualifizieren.
Die schulische Bildung und Ausbildungsbetriebe als neue Beschäftigungsschwerpunkte im Jugendvollzug waren einzurichten. So entstanden in den folgenden Jahren das Schulgebäude, das Unterkunftsgebäude für den offenen Vollzug, die Werkhalle 2 und auch eine neue Heizungsanlage wurde installiert. Mit der Konzentration des Jugendvollzuges auf den Standort Zeithain erfolgte 2000 die Errichtung des C Hauses mit 198 neuen Haftplätzen, so das die JVA auf eine Gesamtkapazität von ca. 400 Haftplätzen kam. Es folgten der Bau der Werkhalle 3 sowie als derzeit letzte große Baumaßnahme die Sporthalle.

A/B-Haus  Haftraum

JVA Zeithain - A/B-Haus                                    Haftraum


Die sinnvolle Freizeitgestaltung unter Einbeziehung sportlicher Maßnahmen wurden ebenfalls durch die Schaffung der materiellen Voraussetzungen und der Einbeziehung Bediensteter und ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen entsprechend den Möglichkeiten entwickelt. Entgegen der Ausrichtung des Strafvollzuges auf einen umfassenden Arbeitseinsatz der Gefangenen in der damaligen StVE ist die jetzige Ausrichtung im Jugendvollzug in erster Linie auf die schulische Bildung sowie auf Aus- und Fortbildungsmaßnahmen gerichtet um einen größtmöglichen Beitrag für die Resozialisierung, für die Vorbereitung der Wiedereingliederung zu leisten. Neben den sonstigen allgemeinen vollzuglichen Angeboten kamen im Jahr 1999 die Eröffnung der Sozialtherapeutischen Abteilung, der ersten im bundesdeutschen Jugendvollzug und die Einrichtung der Motivationsabteilung (motA) - Vorbereitungsstation für stationäre Suchttherapie- im Jahr 2005 hinzu.

Da der Jugendvollzug in der ersten und einzigsten Jugendvollzugsanstalt bald Geschichte sein und am Standort Regis- Breitingen unter völlig neuen Bedingungen forgesetzt werden wird kann rückblickend gesagt werden, dass alle Bediensteten durch ihr Engagement unter Einbeziehung der Jugendstrafgefangenen eine breite Akzeptanz in der Region sowie durch die Prioritätensetzung des sächsische Staatsministerium der Justiz einen Jugendvollzug geschaffen hat, der sich im Bundesmaßstab nicht zu verstecken braucht und in einigen Bereichen auch Vorreiter für neue Wege ist.

Für die Justizvollzugsanstalt Zeithain werden sich neue Herausforderungen im Zusammenhang mit der Änderung der Zuständigkeiten ergeben, die Dank des bisherigen Engagements der Bediensteten mit Sicherheit gemeistert werden können.

G. Noack

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